Knappenverein gestern und heute

 

 

Kaum ein anderer Beruf prägt den Menschen so sehr wie der des Bergmannes. Die Welt und das Dasein bis in die Einzelheiten des Bergmannes wird durch die Tatsache bestimmt, dass die Tätigkeit unter Tage verrichtet wird. Untertagearbeit war immer Arbeit in abgeschlossener Einsamkeit mit den bekannten Gefahren durch den Berg selbst. Gebirgsdruck, Steinfall, Schlagende Wetter und letztlich höhere Unfallgefahren und Gesundheitsschädigungen ( z. B. Steinstaublunge ) machen den Bergmann zu einem selbstbewussten Menschen, der Mut und Kraft ausstrahlt. Doch dagegen stehen Schmutz, Dunkelheit, Enge und auch Angst.

 

 

Die o.g. Besonderheiten haben schon im Mittelalter dazu geführt, dass sich die Bergleute zu Gemeinschaften zusammen schlossen. In diesen half man sich gegenseitig in Notlagen- man pflegte aber auch die Geselligkeit. Gerade die wirtschaftliche Lage der Bergleute war lange nicht oder nur unzureichend durch entsprechende sozialrechtliche Regelungen abgesichert. Hier gab es einen Ansatz für das, was wir heute als Knappenvereine kennen. So half man sich in diesen Vereinen bei Krankheit, Invalidität und Tod durch finanzielle Unterstützungen. Selbst nach Inkrafttreten der knappschaftlichen Versicherungen war immer noch ein Spielraum für solche Hilfen vorhanden ( Karenztage, Tod ). Neben diesen Hilfsmaßnahmen in einer Solidargemeinschaft war - wie bereits oben geschildert - die Geselligkeit wichtiger Bestandteil der Knappenvereine. Es gehörte zur eigenen Kultur, die Freizeit gemeinsam zu verbringen, Feste zu feiern und die bergmännische Tradition zu pflegen.

 

 

Gab es auch seit dem Mittelalter Vorgänger der Knappenvereine, so gründeten sich solche mit o.g. Prägung ab Mitte des 19. Jahrhunderts in verstärktem Maße. In der Regel wurden diese durch die Belegschaft von einer oder zwei Gruben gebildet. Auch im Einzugsbereich der Zeche Lothringen in Gerthe gab es engagierte Männer, die 1891 einen „Bergmanns-Unterstützungsverein Glück auf“ gründeten. Die eigentliche Gründungsversammlung fand am 16. März 1891 statt, die einem vorbereitenden Komitee mit Carl Schwitzer an der Spitze den Auftrag zur Ausarbeitung der Statuten des Vereins gab. Im Mai 1891 wurden dann die vorläufigen Statuten des „Bergmanns-Unterstützungsvereins Glück auf zu Gerthe“ verabschiedet. Die Tätigkeiten des Vereins lassen sich noch heute anhand der im Original vorliegenden Protokolle gut nachvollziehen. Dabei wird auch die wechselvolle Geschichte unseres Knappenvereins deutlich. Besonders stolz können die Männer, die in der Zeit von 1933 bis 1945 die Geschicke des Vereins lenkten, auf ihr Engagement und ihre Beharrlichkeit sein. Nur durch ihr Geschick und ihren Mut durchlebte unser Verein im Gegensatz zu den meisten anderen Vereinen die Gewaltherrschaft des „Dritten Reiches“.

 

 

Die Entwicklung des Steinkohlenbergbaues bis in die heutige Zeit sieht uns als einen Knappenverein, der sich der Tradition des bergmännischen Lebens verpflichtet fühlt. Dazu gehören Feste und Feiern, Teilnahme an Bergbautreffen, Zusammenarbeit mit Schulen und Stadtteilveranstaltungen. Unsere Vereinstätigkeiten werden sich in der Zukunft losgelöst von verklärter Bergbauromantik auf die Pflege traditioneller Werte der Bergleute und die Vermittlung von bergmännischen und bergbautechnischen Kenntnissen in der Öffentlichkeit beziehen.

Als Menschen des Ruhrgebiets haben wir unsere Wurzeln im Bergbau. Dazu kann und sollte man selbstbewusst stehen.

 

Glück auf!

 

 

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